01.06.2017

Wenn Mahnen nicht reicht

Inkasso

© Bounlow-pic - Fotolia.com

Immer mehr Online-Händler setzen beim Forderungsmangement auf externe Dienstleister. Zwei Drittel der Shop-Betreiber führen bei Zahlungsverzug Inkasso-Maßnahmen durch, die in über 80 Prozent der Fälle teilweise oder immer von externen Inkassounternehmen übernommen werden. Nur 20 Prozent der Unternehmen verzichten auf Inkasso-Maßnahmen (Quelle: Ibi Research).

Wie sollte Inkasso aussehen?

Nichts zu tun, ist auf jeden Fall falsch: Nicht nur wegen des Einnahmenverlusts, sondern vor allem, weil es sich im Internet schnell herumspricht, wenn ein Händler säumige Kunden ungeschoren davonkommen lässt. Ein professionelles Mahnwesen hingegen sendet wichtige Signale an den Markt und sollte Bestandteil eines jeden ernsthaften Geschäftsbetriebs sein.

Zudem fängt es bereits bei der Kundenauswahl an. So macht es z.B. im Online-Handel Sinn, durch automatisierte Prozesse unmittelbar im Bestellprozess die Bonitätsprüfung zu integrieren, so dass zahlungsschwachen Kunden die Option Rechnungskauf gar nicht erst angeboten wird. Gleiches gilt natürlich auch für alle anderen Liefergeschäfte außerhalb des Onlinehandels.

Außergerichtliches Inkasso

Nach Angaben des Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU) verschicken Inkassounternehmen jährlich rd. 22 Mio. außergerichtliche Mahnschreiben. Über 5 Mrd. Euro an ausstehenden Zahlungen führen sie so ihren Auftraggebern zurück. In rund 80 Prozent der Fälle erfolgt eine schnelle Klärung. Damit tragen Inkassounternehmen maßgeblich zur Entlastung der Justiz bei. Auch Creditreform wickelt erfolgreich den Großteil seiner Inkassoaufträge ohne Anwalt ab.

Stufe 1: Mahnung nach Verzug

Ihre Buchhaltung versendet zum Ablauf des Zahlungstermins (nach fünf Tagen) eine erste Mahnung – besser „Zahlungserinnerung“. Formulieren Sie diese freundlich. Setzen Sie ein eindeutiges Zahlungsziel: “zahlbar bis zum TT.MM.JJJJ, eingehend auf unserem Konto“. Die zweite Mahnung kann bereits den Hinweis enthalten, dass Sie mit dem Forderungseinzug ein Inkassounternehmen beauftragen, wenn nun nicht umgehend gezahlt wird. Versenden Sie Zahlungserinnerungen per Post. Mails werden oft nicht als ernsthafte Mahnschreiben wahrgenommen.

Stufe 2: Mahnung durch ein Inkasso Unternehmen

Bleiben Ihre Mahnungen erfolglos, sollten Sie ein Inkassounternehmen einschalten. Es prüft die Forderung im Hinblick auf die Zahlungsfähigkeit Ihres Schuldners noch einmal, um die Erfolgsaussichten zu klären und um schuldnerindividuell vorzugehen. Danach werden in Absprache mit dem Unternehmen die weiteren Schritte ausgerichtet:

  • Mahnschreiben: Erfahrungsgemäß erzeugen Mahnschreiben von Inkassounternehmen einen zusätzlichen Druck auf die Schuldner, insbesondere dann, wenn diese von einem renommierten Inkassobüro mit angeschlossener Auskunftei kommen.
  • Telefoninkasso: Rhetorisch geschultes Personal versucht im persönlichen Gespräch kundenbeziehungsorientiert, aber bestimmt, auf die Zahlung hinzuwirken.
  • Persönliches Inkasso: Sofern erforderlich und sinnvoll, besuchen erfahrene Inkasso-Außendienstler den Schuldner.

Gerichtliches Mahnverfahren

Das gerichtliche Inkasso wird erst eingeleitet, wenn die Prüfung ergeben hat, dass es grundsätzlich Aussicht auf Erfolg hat. Viele Schuldner zahlen schon, wenn sie den Vollstreckungsbescheid in der Post finden. Wer dann immer noch nicht zahlt, erhält Besuch vom Gerichtsvollzieher. Über sämtliche Maßnahmen und Ergebnisse des gerichtlichen Inkassoverfahrens werden Sie zeitnah informiert. Sofern gewünscht, erhalten Sie über jede Sachstandsänderung in den Akten automatisiert eine Mail – oder Sie schauen sich den aktuellen Sachstand der Akten per Internetzugriff in der Web-Inkasso-Anwendung selbst an.

Überwachung von Titeln

Aus Gläubigertiteln kann 30 Jahre lang vollstreckt werden. Hat der Schuldner eine eidesstattliche Versicherung abgegeben, kann das Inkassounternehmen in der Datenbank erkennen, wann ein erneuter Vollstreckungsversuch Sinn macht. Das gesamte Kostenrisiko des Überwachungsverfahrens trägt das Inkassounternehmen. Nur im Erfolgsfall wird eine Provision gezahlt.

Inkassokosten

Gläubiger können Inkassokosten als Verzugsschaden geltend machen und sind somit vom Schuldner zu zahlen. Die Höhe der erstattungsfähigen Kosten dürfen die Kosten, die alternativ bei Beauftragung eines Rechtsanwalts entstanden wären, nicht übersteigen.

Creditreform Essen Stenmans & Waterkamp KG

Jan Stenmans
Anne Waterkamp
Hohenzollernstr. 40
45128 Essen

Fon: 0201-87226-20
Fax: 0201-87226–59

Drucken